Digital Manufacturing (auch Digitale Fabrik) hat als Netzwerk von Methoden, Modellen und Werkzeugen zur Planung und dem Betrieb von Produktionssystemen seit der Jahrtausendwende kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Aus dem Alltag produzierender Unternehmen der Serienfertigung ist es aktuell nicht mehr wegzudenken.

Digital Manufacturing unterstützt interdisziplinäres Arbeiten und ermöglicht das Zusammenwirken aller Kompetenzträger entlang des Produktlebenszyklus. Es stellt dem Industrial Engineer eine Auswahl von aufeinander abgestimmten Werkzeugen und Methoden zur Verfügung, die durch den einheitlichen Zugriff auf Planungsinhalte und ein integriertes Datenmanagement umfassend bei der täglichen Arbeit unterstützen. Die simultane Bearbeitung durch mehrere Fachbereiche führt zu einer deutlichen Beschleunigung des Gesamtplanungsprozesses, ganz im Sinne des Simultaneous Engineering und Agiler Planungskonzepte. Digital Manufacturing kombiniert hierbei sämtliche Planungshilfsmittel wie die ereignisdiskrete Simulation, kinematische Simulationen oder auch Materialflussanalysen und betrachtet diese im integrierten Zusammenwirken.

Zum Kern der Arbeiten im Themenfeld Digital Manufacturing gehören neben den Methoden der Produkt- und Prozessdatenmodellierung auch Kenntnisse moderner CAx-Systeme (z.B. CAPP), die digitale Abbildung von Montageprozessen (bspw. digitale Zeitwirtschaftslösungen) und auch prozessgetriebene Standardisierung in der Produktionsplanung. Mit den erweiterten Möglichkeiten der Industrie 4.0 erhält die Schnittstelle zwischen Planungs- und Produktionsbereich zusätzliches Gewicht. Echtzeitdaten in der Produktion werden verfügbar und konzeptionell wie auch IT-technisch in die bestehenden IT-Landschaften integriert. Funktionen wie die Prozessplanung erfahren im Kontext der erweiterten Datenbestände eine Neuausrichtung, die an der Schnittstelle zur Industrial Data Science riesige Potenziale des datengetriebenen Industrial Engineering aufweisen.

Die Produktdatentechnologie und Prozessstandardisierung sind elementare Bestandteile zur Realisierung von Simultaneous Engineering von der Produktentwicklung bis hin zur Produktion. Mit Hilfe von industriellen Informationstechnologien können diese Werkzeuge zur Steigerung der Effizienz integriert werden.

Die Beschleunigung des gesamten Prozesses durch Simultaneous Engineering und Agile Planungskonzepte impliziert das Weiterreichen von Informationen zum nächsten Arbeitsschritt zur gleichzeitigen Bearbeitung. Um diese relevanten Informationen für Schnittstellen und übergreifende Abteilung verwendbar zu machen, hat sich die Anwendung einer Produktdatentechnologie etabliert. Das grundlegende Konzept basiert auf einer durchgängigen Verarbeitung von Produktdaten über alle Phasen des Produktlebenszyklus hinweg. Die Produktdatentechnologie umfasst alle Aspekte von der Definition der Informationen, die für ein Produkt während seiner Entwicklung und im gesamten Produktlebenszyklus relevant sind, bis zu den Methoden der Informationsbeschreibung. Zusätzlich zu einer durchgängigen Produktdatenverarbeitung fokussiert das Digital Manufacturing auch universell auftretende Anforderungen an Produktionsprozesse.

Typisch in diesem Zusammenhang ist die Forderung nach einer dezentralen, flexiblen und gleichzeitig fehlerfreien und qualitativ hochwertigen Produktion. Als Ansatz zur Bewältigung der genannten Herausforderungen bedarf es für eine einfache und effiziente Herangehensweise einer konsequenten Standardisierung der Prozesse und IT-Systemlandschaft, welche im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung vieler Individuallösungen als Ideal steht. Je geringer der Individualisierungsgrad ist, desto agiler können IT-Anwendungen angeglichen werden. Anpassungen lassen sich mit geringem Aufwand durchführen, wodurch der Übergang zur Smart Factory erleichtert und eine schnelle Implementierung in bestehende Systeme ermöglicht wird.

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